Drücken Sie fünf Sekunden lang so fest Sie können auf ein Dynamometer. Das ist alles. Dieser einfache Test – die Messung der maximalen Griffkraft in Kilogramm – ist ein bemerkenswert robuster Prädiktor für künftige Gesundheit. Er ist günstig, schnell, und die Datenlage ist umfangreich.
Die PURE-Studie: 142.000 Menschen, 17 Länder
Die Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) Study, 2015 in The Lancet veröffentlicht, schloss 142.861 Erwachsene in 17 Ländern ein; 139.691 mit bekanntem Vitalstatus wurden über im Median vier Jahre ausgewertet. Die Forschenden maßen zu Beginn die Griffkraft und verfolgten dann den weiteren Verlauf.
Die Ergebnisse waren bemerkenswert. Je 5 kg geringere Griffkraft war verbunden mit:
- 16 % höherer Gesamtsterblichkeit
- 17 % höherer kardiovaskulärer Sterblichkeit
- 7 % höherem Herzinfarktrisiko
- 9 % höherem Schlaganfallrisiko
Diese Zusammenhänge blieben nach Berücksichtigung demografischer Faktoren, von Bildung, körperlicher Aktivität, Rauchen, Alkohol, Ernährung, Body-Mass-Index, Blutdruck sowie weiteren Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und Begleiterkrankungen bestehen. Mit neu auftretendem Diabetes, Stürzen oder Knochenbrüchen war die Griffkraft in dieser Studie nicht verbunden. Die Griffkraft sagte die Sterblichkeit genauer voraus als der systolische Blutdruck.
Ein preiswertes Dynamometer, fünf Sekunden Anstrengung – und man hat einen Prädiktor für die Sterblichkeit, der den Blutdruck übertrifft. Manchmal sind einfache Messungen die aussagekräftigsten.
Warum die Griffkraft so viel vorhersagt
Bei der Griffkraft geht es nicht nur um die Hände. Sie ist ein Stellvertretermaß für Masse und Funktion der gesamten Skelettmuskulatur. Eine geringe Griffkraft weist auf Sarkopenie hin – den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und -qualität –, die mit Stürzen, Knochenbrüchen, Behinderung, Stoffwechselstörungen und Tod in Verbindung steht.
Wie die VO₂max spiegelt die Griffkraft das Zusammenspiel mehrerer Systeme wider: Nerven und Muskulatur, Hormonstatus, Ernährungszustand und Entzündungslast. Lassen diese Systeme nach, nimmt auch die Griffkraft ab – oft Jahre bevor klinische Beschwerden auftreten.
Was eine gute Griffkraft ist
Normwerte für die Griffkraft hängen von Alter und Geschlecht ab. Als grobe Orientierung:
- Spitzenwerte: In großen britischen Normdaten erreicht die mediane Griffkraft zwischen Ende 20 und etwa 40 Jahren ihren Höchstwert von rund 51 kg bei Männern und 31 kg bei Frauen
- Sarkopenie-Grenzwert (EWGSOP2): unter 27 kg bei Männern und unter 16 kg bei Frauen spricht für eine geringe Muskelkraft (wahrscheinliche Sarkopenie)
- Mit dem Alter: Die Werte sinken stetig, daher vergleicht man Ergebnisse am besten mit alters- und geschlechtsspezifischen Referenzwerten
In der klinischen Praxis gilt das Jamar-Dynamometer als Goldstandard. Eine fundierte Messung wertet den besten von drei Versuchen mit der dominanten Hand aus und vergleicht das Ergebnis mit alters- und geschlechtsspezifischen Referenzwerten sowie mit den EWGSOP2-Grenzwerten für Sarkopenie.
Die gute Nachricht
Anders als viele Risikomarker ist die Griffkraft veränderbar. Krafttraining – selbst wenn man erst mit 60 oder 70 beginnt – kann Griffkraft und Muskelmasse deutlich verbessern. Sie gehört zu den Biomarkern, die am stärksten auf Training ansprechen.
Was das für Sie bedeutet
Ein Griffkrafttest dauert fünf Sekunden und kostet sehr wenig. Er liefert einen unabhängigen Prädiktor für die Sterblichkeit, der Informationen über Blutwerte und Bildgebung hinaus bietet. Ein sinnvoller Gesundheitscheck misst ihn zusammen mit der kardiorespiratorischen Fitness und der Körperzusammensetzung – und wenn Ihrer das nicht tut, ist es berechtigt, danach zu fragen.
Ist die Griffkraft gering, ist ein strukturiertes Krafttraining die naheliegende Antwort. Kommt eine geringe Griffkraft mit einer niedrigen Muskelmasse in der Körperzusammensetzungsanalyse (zum Beispiel BIA) zusammen, sollte an ein Sarkopenierisiko gedacht und eine gezielte Intervention mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen werden.
Literatur
- Leong DP, et al. Prognostic value of grip strength: findings from the Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) study. Lancet. 2015;386(9990):266-273.
- Cruz-Jentoft AJ, et al. Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis. Age Ageing. 2019;48(1):16-31.
- Dodds RM, et al. Grip strength across the life course: normative data from twelve British studies. PLoS One. 2014;9(12):e113637.
- Bohannon RW. Grip strength: an indispensable biomarker for older adults. Clin Interv Aging. 2019;14:1681-1691.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine individuelle ärztliche Beratung. Ob eine Untersuchung oder Behandlung für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.