In der einen Woche verbindet eine Studie Kaffee mit einem längeren Leben, in der nächsten eine andere mit Herzproblemen. Rotwein schützt, dann schadet er. Ein neuer Bluttest „erkennt Krebs Jahre früher“. Die meisten dieser Schlagzeilen sind keine Lügen – sie geben korrekt wieder, was eine Studie gefunden hat. Das Problem ist, was die Studie zeigen konnte und was nicht. Eine Handvoll Fragen, konsequent gestellt, trennt die Ergebnisse, nach denen es sich zu handeln lohnt, von jenen, die lediglich interessant sind.

Zusammenhang ist nicht Ursache

Die meisten Gesundheitsschlagzeilen beruhen auf Beobachtungsstudien: Forschende begleiten große Gruppen und suchen nach Zusammenhängen zwischen dem, was Menschen tun, und dem, was ihnen widerfährt. Solche Studien sind wertvoll, um Hypothesen zu entwickeln und seltene Schäden aufzuspüren. Sie können aber kaum trennen, was auf die untersuchte Einflussgröße zurückgeht und was auf all die anderen Unterschiede zwischen den Gruppen – man spricht von Confounding (Störfaktoren). Wer Vitamine nimmt, Salat isst oder maßvoll trinkt, ist oft auch wohlhabender, gebildeter und gesundheitsbewusster.

Das warnende Beispiel ist die Hormontherapie in den Wechseljahren. Zahlreiche Beobachtungsstudien legten nahe, dass Frauen unter Hormonen ein um 40–50 % geringeres Risiko für koronare Herzkrankheit hätten. Dann teilte die Women's Health Initiative 16.608 Frauen per Zufall Östrogen plus Gestagen oder Placebo zu. Die Hormone verhinderten keine Herzerkrankungen; das Risiko war sogar höher (Hazard Ratio 1,29). Pro 10.000 Frauen und Jahr gab es 7 koronare Ereignisse, 8 Schlaganfälle, 8 Lungenembolien und 8 invasive Brustkrebserkrankungen mehr – bei 6 Darmkrebserkrankungen und 5 Hüftfrakturen weniger.

Nur eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT), in der allein der Zufall über die Behandlung entscheidet, gleicht bekannte wie unbekannte Unterschiede zwischen den Gruppen zuverlässig aus. In Nachrichten signalisieren Formulierungen wie „in Verbindung gebracht mit“, „assoziiert mit“ oder „hängt zusammen mit“, dass es um einen Zusammenhang geht.

Surrogat-Endpunkte: Wenn der Wert besser wird, der Patient aber nicht

Viele Studien messen einen Surrogat-Endpunkt – einen Laborwert oder Messwert, von dem man annimmt, dass er die Gesundheit vorhersagt – statt eines harten Endpunkts wie Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, Knochenbruch oder Lebensqualität. Surrogate lassen sich schneller und günstiger untersuchen. Manchmal führen sie gründlich in die Irre.

  • CAST (1989). Nach einem Herzinfarkt sagen häufige Extraschläge des Herzens einen plötzlichen Herztod voraus. Die Medikamente Encainid und Flecainid unterdrückten diese Extraschläge sehr wirksam. In einer randomisierten Studie lag die Gesamtsterblichkeit über durchschnittlich 10 Monate unter den Medikamenten bei 7,7 %, unter Placebo bei 3,0 % (56 von 730 gegenüber 22 von 725 Patienten). Der Medikamentenarm wurde abgebrochen.
  • Torcetrapib (2007). Ein niedriges HDL-Cholesterin („gutes“ Cholesterin) sagt Herzerkrankungen voraus; es anzuheben schien logisch. In der ILLUMINATE-Studie mit 15.067 Hochrisikopatienten hob Torcetrapib das HDL um etwa 34 mg/dl und senkte das LDL um etwa 21 mg/dl – und steigerte schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (6,2 % gegenüber 5,0 %) und Todesfälle (1,2 % gegenüber 0,8 %). Zudem erhöhte es den Blutdruck.
  • Rosiglitazon. Dieses Diabetesmedikament senkte den Blutzucker, den Surrogat-Endpunkt, auf dessen Grundlage Diabetesmedikamente zugelassen wurden. Eine Metaanalyse von 42 Studien mit rund 28.000 Patienten fand 2007 ein erhöhtes Herzinfarktrisiko (Odds Ratio 1,43). 2010 empfahl die Europäische Arzneimittel-Agentur, die Zulassung ruhen zu lassen: Der Nutzen überwiege die Risiken nicht mehr.

Ein besserer Wert ist nicht dasselbe wie ein besseres Leben. Fragen Sie, was die Studie tatsächlich gemessen hat.

7,7 % vs. 3,0 %Todesfälle mit vs. ohne rhythmusstabilisierende Medikamente in CAST
37 %Vielzitierte Tierstudien, die sich später in Studien am Menschen bestätigten
1,27Relative Wahrscheinlichkeit günstiger Ergebnisse in industriefinanzierten Studien

Mäuse, Zellen und Reagenzgläser

„Wirkstoff tötet Krebszellen“ bedeutet meist: in der Petrischale oder in der Maus. Solche Arbeiten sind unverzichtbare Grundlagenforschung, aber noch weit entfernt von einer Therapie. Als Forschende 76 vielzitierte Tierstudien nachverfolgten, wurden nur 37 % später in randomisierten Studien am Menschen bestätigt; 18 % wurden widerlegt, und 45 % waren am Menschen nie geprüft worden. Viele Substanzen töten Krebszellen in der Schale – auch solche, die gesunde Zellen ebenso schädigen.

Preprints, kleine Stichproben und Einzelstudien

Ein Preprint ist ein Manuskript, das vor der Begutachtung durch Fachkollegen (Peer Review) online gestellt wird. Preprints beschleunigen die Wissenschaft, doch ihre Schlussfolgerungen können sich deutlich ändern – oder die Arbeit wird nie veröffentlicht. Nachrichten sollten klar sagen, wenn es sich um einen Preprint handelt.

Kleine Studien sind anfälliger für Zufallsbefunde und liefern oft übertriebene Effekte, die in größeren Folgestudien schrumpfen. Studien, die wegen eines unerwartet guten Ergebnisses vorzeitig beendet werden, können den Nutzen aus demselben Grund überschätzen.

Vor allem ist eine einzelne Studie selten entscheidend. Die verlässlichste Antwort liefert meist eine systematische Übersichtsarbeit, die alle relevanten Studien sucht und bewertet – wie die Cochrane-Reviews, die wir in unserem Beitrag über allgemeine Gesundheits-Check-ups besprechen. Ein einzelnes spektakuläres Ergebnis, das einer breiten Evidenzlage widerspricht, ist eher falsch als revolutionär.

Wer hat bezahlt, und wie werden die Zahlen dargestellt?

Industriefinanzierung macht eine Studie nicht falsch, und viele unverzichtbare Studien werden von der Industrie bezahlt. Doch eine methodische Cochrane-Übersicht fand, dass industriefinanzierte Studien häufiger günstige Wirksamkeitsergebnisse (Risk Ratio 1,27) und günstige Schlussfolgerungen (Risk Ratio 1,34) berichten als unabhängig finanzierte – eine Verzerrung, die sich mit den üblichen Bewertungen des Verzerrungsrisikos nicht erklären lässt. Achten Sie auf Angaben zur Finanzierung und zu Interessenkonflikten.

Prüfen Sie schließlich, wie die Ergebnisse ausgedrückt werden. Eine „Senkung um 50 %“ kann 2 statt 4 von 1.000 bedeuten; Analysen von Pressemitteilungen zeigen, dass viele relative Risiken ohne absolute Zahlen nennen. Mehr dazu in unserem Beitrag über absolutes und relatives Risiko. Und wenn Früherkennung mit verbesserten Überlebensraten beworben wird, denken Sie an Vorlaufzeit-Bias und Überdiagnose.

Checkliste: acht Fragen an jede Gesundheitsmeldung

  1. Um welche Art von Studie handelt es sich? Zell- oder Tierstudie, Beobachtungsstudie, randomisierte Studie oder systematische Übersicht?
  2. Zusammenhang oder Ursache? Was könnte bei einer Beobachtungsstudie den Zusammenhang sonst erklären?
  3. Was wurde gemessen? Ein harter Endpunkt (Tod, Herzinfarkt, Knochenbruch, Beschwerden) oder ein Laborwert?
  4. Wie groß ist der Effekt in absoluten Zahlen? Von wie vielen Menschen?
  5. Wie viele Menschen wurden wie lange untersucht?
  6. Wurde die Arbeit begutachtet? Oder ist es ein Preprint oder ein Kongressbeitrag?
  7. Wer hat die Studie finanziert, und haben die Autoren Interessenkonflikte?
  8. Passt das Ergebnis zur übrigen Evidenz? Was sagen systematische Übersichten und Leitlinien?

Verlässliche Quellen auf Deutsch

Für Leserinnen und Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz ragen drei unabhängige Angebote heraus:

  • gesundheitsinformation.de wird vom IQWiG herausgegeben, dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – einem unabhängigen wissenschaftlichen Institut, das aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert wird. Verständliche Gesundheitsinformation gehört zu seinem gesetzlichen Auftrag; die Seite ist werbefrei.
  • Medizin transparent ist ein Projekt von Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems. Es prüft Gesundheitsbehauptungen aus Medien und Werbung anhand der Studienlage; Leserinnen und Leser können kostenlos Anfragen stellen.
  • Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz (Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg, Universität Potsdam) veröffentlicht Faktenboxen, die Nutzen und Schaden medizinischer Maßnahmen in absoluten Zahlen zeigen.

Fazit

Bevor Sie auf eine Gesundheitsschlagzeile reagieren, fragen Sie, um welche Art von Studie es sich handelt, ob relevante Endpunkte gemessen wurden, wie groß der Effekt in absoluten Zahlen ist und ob das Ergebnis mit systematischen Übersichten übereinstimmt. Einzelne Beobachtungs- oder Tierstudien sollten Ihr Handeln nicht ändern. Evidenz: ★★★ Hoch (für die Grundsätze; die Beispiele sind etablierte Fälle aus randomisierten Studien).

Literatur

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  2. Cardiac Arrhythmia Suppression Trial (CAST) Investigators. Preliminary report: effect of encainide and flecainide on mortality in a randomized trial of arrhythmia suppression after myocardial infarction. N Engl J Med. 1989;321(6):406-412. doi:10.1056/NEJM198908103210629
  3. Barter PJ, et al. Effects of torcetrapib in patients at high risk for coronary events. N Engl J Med. 2007;357:2109-2122.
  4. Nissen SE, Wolski K. Effect of rosiglitazone on the risk of myocardial infarction and death from cardiovascular causes. N Engl J Med. 2007;356:2457-2471. doi:10.1056/NEJMoa072761
  5. European Medicines Agency. European Medicines Agency recommends suspension of Avandia, Avandamet and Avaglim. Press release, 23 September 2010.
  6. Hackam DG, Redelmeier DA. Translation of research evidence from animals to humans. JAMA. 2006;296(14):1731-1732.
  7. Lundh A, Lexchin J, Mintzes B, Schroll JB, Bero L. Industry sponsorship and research outcome. Cochrane Database Syst Rev. 2017;(2):MR000033. doi:10.1002/14651858.MR000033.pub3
  8. Gigerenzer G, Gaissmaier W, Kurz-Milcke E, Schwartz LM, Woloshin S. Helping doctors and patients make sense of health statistics. Psychol Sci Public Interest. 2007;8(2):53-96. doi:10.1111/j.1539-6053.2008.00033.x
Prof. Dr. med. Markus Guba

Leiter des Bereichs Leberchirurgie und Transplantation am Klinikum der LMU München. Gibt dieses unabhängige Journal privat heraus; die Beiträge geben seine persönliche Auffassung wieder. Über →

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine individuelle ärztliche Beratung. Ob eine Untersuchung oder Behandlung für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.